Fotoshootings mit Minifig-Models

Ich habe mal vor Jahren ein „Fotostudio im Koffer“ für Aufnahmen von kleinen Gegenständen (z.B. für eBay oder Strandfunde) gekauft. Ich meine mich erinnern zu können, dass es ca. 150 EUR gekostet hat und damals – warum auch immer – vom mittlerweile verschwundenen Discounter Plus über deren Online Shop verkauft wurde. Da Qualität und Preis stimmten, habe ich damals dort und nicht im Fachhandel gekauft, normalerweise bin ich ein treuer Kunde des lokalen Geschäfts (Beratung, Jobs vor Ort, Umsatz vor Ort, Steuerzahler, etc.). Mit diesem Fotostudio kann man natürlich auch prima LEGO Figuren in Szene setzen.

Das Fotostudio besteht aus dem Koffer, der auch als Basis für die Konstruktion dient. Enthalten sind zwei ausziehbare Stative, die an den vorderen Ecken des Koffers in dafür eingebaute Halter gesteckt werden. Auf die Stative kommen dann die enthaltenen Fotoleuchten (UV, 2 x 4×4 Watt), die in alle Richtungen bewegt werden können und außerdem jeweils vier Abschirmklappen besitzt. Die Netzteile sind extern und nehmen keinen Platz im kleinen Studio weg. Eine Milchglasscheibe aus Plexiglas dient als Leuchttisch, darüber kann man Hohlkehlen (die ebenfalls enthalten waren) legen und mit Magneten befestigen. Das ganze lässt sich in fünf Minuten aufbauen und ausrichten.

Das Fotostudio und die Fotoleuchten von vorne fotografiert, links und rechts sieht man die Stative.

Das Fotostudio und die Fotoleuchten von vorne fotografiert, links und rechts sieht man die Stative.

Auf die Hohlkehle (weiss oder hellgrau) hab ich ein kleines Kreuz gemalt, damit die Figuren immer die selbe Positon und Ausleuchtung erhalten, teilweise – je nachdem wie groß und aufwendig die Figur ist – muss man die Ausleuchtung feinjustieren. Das Kreuz sollte natürlich nicht zu groß sein, damit man es mit den Figuren abdecken kann und es später nicht auf den Bildern zu sehen ist. Die Kamera, in meinem Fall entweder eine Nikon Coolpix P510 (Bridgekamera) oder eine Canon 600D (Spiegelreflexkamera), wird vor dem Koffer an der Tischkante mit einem Klemmstativ befestigt und ausgerichtet (eine kleine Wasserwaage oder Libelle am Stativ bzw. Kamera hilft).

Das Fotostudio im Einsatz. Man sieht wunderbar die fehlenden Kanten durch die Hohlkehle im Hintergrund.

Das Fotostudio im Einsatz. Man sieht wunderbar die fehlenden Kanten durch die Hohlkehle im Hintergrund.

Makromodus (Motivprogramm bei vielen kompakten oder Bridgekameras) oder Makroobjektiv (Nahbereichsgrenze um die 1,5 cm) bzw. Vorsatzlinse sind Pflicht. Die Einstellungen der Kamera liegen um die 1/100, ƒ/4 und ISO 250 bis 280. Alternativ kann man auch sein Smartphone nutzen, dazu gibt es z.B. fürs iPhone 4/4s/5 wunderbare Halterungen fürs Stativ, z.B. dem Glif (https://vimeo.com/32540865). Allerdings sollte man von Smartphone-Kameras nicht die besten Ergebnisse erwarten.

Unbedingt sollte man Wattestäbchen (a.k.a. Q-tips) und eine Dose Druckluftspray wie zur Reinigung von Kameras (gereinigte Druckluft, Aerosol) vorhalten, ebenso eine große Pinzette zum Aufstellen oder Herausfischen von Kleinteilen aus dem Fotokoffer. Da mit Makro fotografiert wird, werden nicht nur die Details der Figur sehr gut sichtbar, sondern auch der Staub oder Dreck, der sich über die Jahre anheftet.

Insbesondere in einem Raucherhaushalt sammelt sich dank Kondensat und Nikotin gerne Staub, nicht nur auf den Figuren. Mit der Druckluft lässt sich der Staub wunderbar entfernen, für hartnäckigen Schmutz nimmt man ein Wattestäbchen, eventuell warmes, klares Wasser (keine Lösungsmittel!!). Auf einigen Fotos kann man sehen, dass meine Druckluftflasche neulich leer war bzw. ich nicht jede Figur ganz genau gereinigt habe ;)

Der kleine Kerl hätte vorher in die Reinigun gemusst...

Der kleine Kerl hätte vorher in die Reinigung gemusst…

Auch sieht man auf den Fotos sehr gut die Bespielungsspuren. Natürlich hätte ich gerne nur perfekte und unbespielte Figuren, auf der anderen Seite ist es immer noch Spielzeug. Gerade bei meinen alten Figuren sind das Spuren der Erinnerung an meine glückliche Kindheit. Und bei zugekauften Figuren sind sie die Erinnerungen an schöne Stunden anderer Kinder.

Deutlich sichtbar sind die Spuren der Bespieglung im Gesicht des Adlerritters. Es könnten natürlich auch Kampfspuren sein ;)

Deutlich sichtbar sind die Spuren der Bespieglung im Gesicht des Adlerritters. Es könnten natürlich auch Kampfspuren sein ;)

Die Figuren werden dann auf der Hohlkehle (weiss oder hellgrau) platziert und ins Szene gesetzt (wenn man möchte), mit der Kamera fokussiert und dann abgelichtet. Es empfiehlt sich immer mehrere Bilder zu machen, sowohl wegen Schärfe als auch um eine gute Position zu finden, in der die Figur in allen Details zur Geltung kommt. Im Schnitt mache ich pro Figur acht bis 12 Fotos, die besten Bilder werden dann ausgewählt und in Photoshop nachbearbeitet.

Jetzt noch Schärfe, Farben, Kontrast und Helligkeit einstellen und dann bei Flickr hochladen. Auch kann man zusätzlich mit Filtern arbeiten und den Bildern so etwas Patina geben oder einfach mal anders aussehen zu lassen. Dies geht mit Software wie Photoshop oder aber auch mit den „On-board-Filtern“ von Aviary bei Flickr („Foto in Aviary bearbeiten“).

Kameraposition vor dem Fotokoffer, zu sehen ist auch die Hohlkehle, auf der der Löwenritter steht. Kamera hier: Nikon Coolpix P510

Kameraposition vor dem Fotokoffer, zu sehen ist auch die Hohlkehle, auf der der Löwenritter steht. Kamera hier: Nikon Coolpix P510

Hat man übrigens keinen Fotokoffer, kann man das wunderbar auch in der Badewanne machen. Diese dient dann als Hohlkehle und zwei LED-Tischlampen zum Ausleuchten bringen auch gute Ergebnisse, am besten sind LED-Spots mit Schwanenhals (z.B. NC-5091-903 von Pearl) als Leuchten geeignet.

Was muss man noch beachten? Wenn man Katzenbesitzer ist, sollte man darauf vorbereitet sein, dass die Katzen a) in das Fotostudio steigen, b) die Minifigs bejagt und bespielt werden und c) man nach dem Entfernen der Katze (meist unter Protest) mit einem Pinsel die Haare von der Hohlkehle entfernt. Sonst sieht man die Haare später auf den Fotos und sogar an den Figuren ;)

Meine Katzen wollen natürlich immer alles inspizieren und immer mitmachen.

Meine Katzen wollen natürlich immer alles inspizieren und immer mitmachen.

Ich werde bald alle meine Figuren fotografiert haben und dann beginnen, auch die Bauwerke, Objekte und Szenen abzulichten. Das wird dann bei der Burg spätestens nicht mehr mit dem Fotokoffer funktionieren, sondern aufgrund der Größe einen Eigenbau notwendig machen. Aber darüber werde ich dann später noch berichten ;)

Hier sind einige meiner Fotos zu finden:

LEGO Ritter, Castle & Co.
http://www.flickr.com/photos/graveyard/sets/72157642799875983/

LEGO The Simpsons
http://www.flickr.com/photos/graveyard/sets/72157642099876635/

LEGO Back to the Future
http://www.flickr.com/photos/graveyard/sets/72157642450976865/

LEGO Minifigs
http://www.flickr.com/photos/graveyard/sets/72157642438289564/

About the Author:

38 Jahre alt. Geboren in Düsseldorf, dort lebend und arbeitend als Director Strategy und Brand Consultant bei KONTRAST Communication Services. Ich liebe Denken, LEGO, die Nordsee, Whisky, Fotografie, (Street) Art, Bücher und Lesen, Geschichte, Design und Architektur.

2 Comments on "Fotoshootings mit Minifig-Models"

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  1. Clausen sagt:

    Hallo,

    tolle Beschreibung. Ich bin auch derzeit auf der Suche nach einem solchen Koffer. Ich finde derzeit aber nichts richtiges.
    Die Anleitung von dir hat neue Fotoinspirationen für Lego Minifiguren in mir geweckt ;-)

    VG
    Claus

    • Oliver sagt:

      Hej Claus, Danke für Deinen Kommentar. Wir haben heute unterschiedliche Setups im Einsatz, u.a. dieses hier von Amazon (kein Affiliate-Link btw.!) und sind damit sehr zufrieden.

      Wenn Du ein geeignetes für Deine Zwecke gefunden hast, freuen wir uns über ein Foto davon hier unter dem Blogpost oder gern auch ein paar Beispielfotos Deiner LEGO-Kreationen!

      VG, Oliver

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